Ich möchte nicht auf die genauen Hintergründe des Patent-Streits zwischen Eolas und Microsoft eingehen. Das kann man in dem Artikel
Patch für Internet Explorer wegen Eolas-Patent auf Golem und an anderen Stellen nachlesen.
Im Wesentlichen verletzt man das Eolas Patent, wenn interaktive Objekte in einer Webseite dargestellt werden. Microsoft versucht nun mit dem
Patch KB912945 den IE so zu verändern, dass diese Objekte nicht interaktiv starten, sondern aktiviert werden müssen. In den meisten Fällen bedeutet aktivieren für den Anwender hier "hineinklicken".
Wir von CPTec haben mit
SQLCat eine Internet Anwendung entwickelt, um Elektronische Ersatzteilkataloge im Browser darstellen zu können. Die hierarchische Struktur der Ersatzteile wird mit einem Java Applet visualisiert. Dieses Java Applet stellt die Struktur in einem Treeview dar. Die Inhalte werden beim Navigieren dynamisch vom Server geladen. Das funktioniert sehr gut und schnell.
Nach der Installation des neuen Patches von Microsoft funktioniert dieses Treeview immer noch. Unter anderem navigiert das Treeview mit, wenn man einen Treffer einer Suchabfrage auswählt. Es reagiert lediglich auf Benutzereingaben, wie z.B: Mausbewegungen nicht:

Erst nach einem Click in das Control wird dieses aktiv und zeigt unter anderem im Statusbar das Ersatzteil unter dem Mauszeiger an:

Unser Treeview ist von dieser Änderung betroffen, weil es über ein "APPLET" Befehl in die HTML Seite eingebunden ist. Der Internet Explorer könnte das Eolas Patent verletzen, wenn er dieses interaktive Objekt direkt in die Seite einbindet. Also wird es nicht interaktiv eingebunden, sondern einfach deaktiviert. Die erste Benutzereingabe erweckt dann das Objekt aus seine Dornröschenschlaf und alles ist gut.
Jetzt gibt es aber noch eine andere Möglichkeit, dieses Patent zu umgehen. Microsoft dokumentiert das in
Activating ActiveX Controls. Es werden einige Wege beschrieben. Aber es läuft darauf hinaus, durch Javascript die Objekte nachträglich in die Seite einzubauen. Der Benutzer sollte davon nichts merken, aber das Patent von Eolas deckt diesen Fall wohl nicht ab. Alles funktioniert wie früher, jeder Webentwickler durfte etwas Zeit investieren, Microsoft hat viele Anwälte und Entwickler beschäftigt und Eolas geht hoffentlich leer aus.
Ich wundere mich immer wieder, wieso derart allgemein gehaltene Patente erteilt werden und deren Gültigkeit vor Gericht bestätigt wird. Die Einen basteln einen realen C++ Code, der bunte, interaktive Seiten aus kleinen statischen Textdateien macht und die Anderen lassen sich ein abstraktes, allgemeines Prinzip schützen. Deswegen bereitet es mir eine diebische Freude, zu sehen, wie geschickt sich Microsoft hier aus dieser kniffeligen Patent-Falle befreit hat.
Jetzt geht es wieder zurück an den HTML Code und brav den MS Workaround einbauen...