Bisher hatten wir einen FTP Server um größere Datenmengen mit unseren Kunden und Übersetzern auszutauschen. Aber FTP ist nicht mehr zeitgemäß: FTP muss sterben. Deswegen betreiben wir jetzt einen WebDAV Server der nur über eine sichere https-Verbindung zu erreichen ist.
Zu einem neuen Protokoll braucht es auch einen neuen Client um darauf zuzugreifen. Ich habe einige ausprobiert und am Ende sind zwei sinnvolle Möglichkeiten übrig geblieben:
Internet Explorer
Der Internet Explorer hat den Vorteil, dass er bereits installiert ist und der Zugriff sehr einfach zu konfigurieren ist. Man muss lediglich darauf achten, dass man die Adresse nicht direkt in Adresszeile tippt, sondern einen Web Folder öffnet.
Dazu wählt man Datei - Öffnen... (File - Open...) im Menü aus. Tippt dort die Adresse ein und setzt das passend Häkchen:
Danach kann man per Copy & Paste Dateien und Verzeichnisse übertragen. Über die rechte Maustaste erhält man ein Kontext-Menü für weitere Aktionen.
Ein Nachteil vom Internet Explorer als WebDAV Client ist, dass er keinen sinnvollen Übertragungsstatus anzeigt und sich während der Übertragung tot stellt. Man hat das Gefühl, IE oder die Verbindung "klemmt". Wir hatten schon den Fall, dass dabei dann per Task Manager iexplorer.exe und damit die Übertragung beendet wurde.
Außerdem kann man im IE über das Ziel hinaus navigieren. Wir haben für jeden Kunden einen eigenen Unterordner angelegt. Nur CPTec Mitarbeiter dürfen auf den ganzen Server zugreifen. Jeder Kunde hat nur Zugriff auf seinen Ordner. Dennoch erlaubt es der Internet Explorer eine Ebene nach oben zu navigieren. Dort gilt das Kunden Passwort natürlich nicht mehr, also frägt der Internet Explorer nach einem Passwort. Der Kunde gibt natürlich wieder sein Passwort ein. Das gilt für diese Ebene aber trotzdem nicht.
Das führt leider sehr schnell zu einer Support-Anfrage. Deswegen empfehle ich den Total Commander. Der erkennt, mit welcher URL die Verbindung gestartet wurde.
Total Commander + WebDAV Plug-in
Der beliebt Dateimanager Total Commander hat bereits einen sehr guten, integrierten FTP Client. Für den WebDAV Zugriff ist ein kostenloses WebDAV Plug-in nötig.
Die heruntergeladene Zip-Datei mit dem Plug-in einfach in Total Commander öffnen. Das Programm erkennt das Plug-in und bietet die Installation an:
Weniger intuitiv ist dann die Aktivierung des Plug-ins. Man muss über die Laufwerksauswahl die Netzwerkumgebung (Network Neighborhood) auswählen:
Bei den Netzwerklaufwerken taucht der zusätzliche Eintrag WebDAV auf. Den wählt man aus und gelangt zu den WebDAV Verbindungen:
Über F7 kann eine neue Verbindung angelegt werden. Obwohl der dabei auftauchende Dialog von einen neuen Verzeichnis spricht, wird trotzdem eine WebDAV Verbindung angelegt!
Wenn man einen Namen für die Verbindung vergeben hat, erscheint der Optionen Dialog:
Praktischerweise steht unser Server-Typ als Standardeinstellung zur Verfügung: Microsoft IIS (Secure). Damit werden die unteren Parameter automatisch richtig konfiguriert. Es muss hier nur noch die URL zum Server, der Benutzername und das Passwort konfiguriert werden. Die Proxy Einstellung vom Internet Explorer (im Dialog unten) sollte in den allermeisten Fällen stimmen.
Danach kann die neue Verbindung ausgewählt werden. Mit den üblichen Befehlen von Total Commander können Dateien in beide Richtungen übertragen und gelöscht werden.
Die Eigenschaften einer bestehenden Verbindung stehen über das Kontext-Menü oder Alt+Enter zur Verfügung.
Falls man die Verbindung häufiger benutzt, kann man diese wie ein normales Verzeichnis zur Directory Hotlist hinzufügen (CTRL+D). Der Verbindungsaufbau ist dann nur eine Frage von ganz wenigen Tasten.
Update:
Unser erster Kunde hat tatsächlich versucht, nach dieser Anleitung den Total Commander zu konfigurieren. Dabei sind zwei Dinge aufgefallen:
- Die Auswahl-Liste mit den Server Einstellungen setzt bei einer Auswahl nur die Checkboxen weiter unten. Die Einstellung der Liste selbst wird nicht gespeichert. Das heißt beim nächsten Aufruf der Optionen steht dort wieder: <Choose new server type from list>. Das verwirrt, aber die Einstellung unten sollten trotzdem stimmen.
- Das Plug-in kommt mit bestimmten Sonderzeichen als Passwort nicht zurecht. In unserem Fall hatten wir das Zeichen § im Passwort. Das führte dazu, dass das Passwort nicht gespeichert wurde. Nachdem wir ein anderes Zeichen verwendet haben, funktioniert auch das.